Gut trinken! – Diese 10 Getränke sind echte Umweltschützer oder unterstützen soziale Projekte

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Mit dem Getränkekauf nebenbei Gutes tun? Dies ist seit einigen Jahren bei immer mehr Anbietern angesagt. Wir stellen 10 Getränke Startups vor, deren Vision und Handeln uns überzeugt. Allesamt Unternehmen, die unabhängig von den großen Konzernen geblieben sind. 

Wer den Markt für soziale Getränke verstehen will, kommt an Bionade nicht vorbei. Das 1994 patentierte Getränke aus Ostheim an der Rhön wurde Anfang der 2000er Jahre in Deutschland Kult. Das familiengeführte Startup galt als Gegenmodell zu den Getränke-Riesen, deren überzuckerten Limonaden den Markt überfluteten. Mit einem Augenzwinkern warb Bionade schließlich selbst mit dem Claim „Bionade: das offizielle Getränk für eine bessere Welt“.

Das Unternehmen hatte jedoch die meiste Zeit mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen. Eine Beteiligung von Coca Cola konnte Mitgründer Peter Kowalsky noch verhindern. Doch nach einer heftigen Preiserhöhung von 33% im Sommer 2008 und der späteren Übernahme der Firma durch Dr. Oetker wandten sich viele Fans der ersten Stunde ab. Inzwischen ist Bionade wieder Teil eines – wenn auch deutlich größeren – Familienunternehmens, den Hassia Mineralquellen. Es wäre schön, wenn Bionade sich wie seinerzeit mit unkonventionellen Ideen als ein Getränk für eine bessere Welt wieder ins Spiel bringt. Die Chance ist da.

Die im folgenden aufgeführten 8 Getränkte Startups wurden von der GOOD Redaktion ausgewählt. Eines der wichtigsten Kriterien für uns: die Authentizität der Gründer-Teams und die Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Vision einer besseren Welt verfolgen:

3x Soziale Limonaden

Lemonaid und ChariTea
Das von Paul Bethke, Felix Langguth und Jakob Berndt im Winter 2008 gegründete Unternehmen Lemonaid ist de facto in die Lücke gesprungen, die Bionade hinterlassen hat, als der Kultstatus abflaute. Und dies sehr erfolgreich. Mit 5 Cent pro verkaufter Flasche Lemonaid oder ChariTea ist der Spendenbetrag überschaubar, aber die Masse macht’s. So kamen schon über 4 Millionen Euro für soziale Projekte zusammen. Das Produkt ist fair und bio, hat weniger Zucker als die meisten anderen Limonaden und das Hamburger Unternehmen ist trotz seines markanten Wachstumskurses unabhängig von großen Konzernen geblieben. Das Team hat sich inzwischen leicht verändert. Jakob Berndt hat Lemonaid inzwischen verlassen und widmet sich der von ihm mitbegründeten grünen Online-Bank Tomorrow. Denn eine Bank, so seine Überzeugung, könne noch mehr Menschen erreichen als eine Limonade.

MunterMate und Frohlunder
Ein Unternehmen ohne Büro, das als basisdemokratisches Netzwerk nicht nur besonders nachhaltige Getränke vertreibt, sondern auch eine besondere Firmenkultur mit Einheitslohn und frei wählbaren Arbeitszeiten pflegt. Das ist das Premium-Kollektiv. Am Anfang stand das Premium Kola aus Hamburg. Inzwischen gibt unter anderem eine Holunder-Limo (“Frohlunder”) und mit MunterMate eine aufputschende Limo, die die drei Freiburger Roman Marten, David Bregulla und Hagen Krohn in das Kollektiv eingebracht haben. Was uns überzeugt: Die hochwertige Erva-Mate wächst wild in den Wäldern Brasiliens. Die Ernte sichert lokalen Kleinbauern ein Einkommen und schafft damit einen Anreiz, die Wälder zu schützen.

Selo Green Coffee
Die ebenfalls koffeinhaltige und fair gehandelte Limo aus Berlin sollte ursprünglich die in der Kaffeeproduktion nicht benötigte Frucht um die Kaffeebohne herum verwerten. Gründerin Laura Zumbaum wurde dann mit ihrer überzeugenden Upcycling-Idee der Kaffeekirsche durch das komplizierte EU Lebensmittelrecht ausgebremst. Dieses erlaubt den Import von Kaffeebohnen, nicht aber ihrer Hülle, der Kaffeekirsche. Dies ergibt zwar keinen Sinn. Die Regelung ließ sich jedoch nicht auf die Schnelle anpassen. Die neue Kaffekirsch-freie Selo Green Coffee Limonade überzeugt dennoch, auch durch die durch und durch transparente Wertschöpfungskette, für die Selo einsteht.

1x Bier für das Quartier

Quartiermeister
Sicherlich nicht die einzige soziale Brauerei, aber ein Team und Produkt, das überzeugt. Mit jeder verkauften Flasche Bier Quartiermeister wird ein lokales Projekt unterstützt. Das von David Grisebach im Anschluss an eine Bachelor-Arbeit zu Social Entrepreneurship 2012 mitbegründete Startup aus Berlin setzt sich für eine solidarische Wirtschaft ein. Über den angegliederten Verein werden lokale Projekte gefördert, die über einen transparenten Prozess und unter Einbindung der Community ausgewählt werden – zum Wohle aller.

2x Heiße Schoki – wahlweise zum Chillen oder als Wachmacher

ChillChoc
Diese entspannende Kakaogetränk haben Dave Tjiok und Burkhard von Stackelberg aus Stuttgart 2018 auf den Markt gebracht. Mit dem Verkauf des Kakaopulvers erfüllen sich die beiden schwäbischen Tüftler einen langjährigen Traum: Sie helfen Kleinbauern entlang der Kakao-Lieferkette, Terra Preta herzustellen und mit dieser speziellen nährstoffhaltigen Erde die tropische Landschaft ökologisch zu modernisieren. Nachdem der Versuch, eine Firma aufzubauen, die Terra Preta Erde herstellt und vertreibt, sich als nicht gangbar erwies, haben die beiden mit ChillChoc einen erfolgreichen „Workaround“ gefunden. Zum Glück: Denn ChillChoc ist nicht nur ein Mittel zum (guten) Zweck, sondern obendrein lecker. Inzwischen ist aus dem einstigen Zwei-Mann-Betrieb ein fünfköpfiges Gründer-Team geworden, so dass Dave und Burkhard sich ganz auf die Produktentwicklung konzentrieren können. Die beruhigende Wirkung kommt übrigens durch die Beimischung von Cannabidiol (CBD) aus naturbelassenen Hanfblättern. Dieses ist medizinisch unbedenklich und als Beigabe in Getränken zugelassen.

Koawach
Koawach ist ein Muntermacher-Getränk auf Kakaobasis  für alle, die ihren Kaffeekonsum reduzieren wollen (oder Kaffee nie mochten). Also quasi ChillChoc mit umgekehrten Vorzeichen. Koawach erzielt seine belebende Wirkung durch die Beimischung von Guarana und ist hierdurch magenschonender als Kaffee. Das von Daniel Duarte und Heiko Butz 2014 gegründete Startup strebt bis 2030 eine klimaneutrale Lieferkette an. Das Unternehmen setzt auf ein solides Firmenwachstum und vertreibt ihre Getränke auch über größere Ketten.

2x Tee: Großabnehmer vs soziale Nische

Ähnlich wie bei Kaffee, gibt es eine Vielzahl fair gehandelter, zertifizierter Tees. Wir zeigen zwei Tee-Angebote, die sich recht radikal von anderen unterscheiden:

 

Teekampagne
Diese von Prof. Faltin, Professor für Entrepreneurship an der FU Berlin, bereits 1985 gegründete Startup Teekampagne hatte keine „Impact“-Idee als den eigentlichen Ausgangspunkt. Vielmehr sollte gezeigt werden, dass durch ein schlankes Geschäftsmodell, das sich bewusst auf ein einzelnes Produkt fokussiert, das in großen Mengen kostengünstig importiert und in großen Verpackungen als Familien- oder Jahresration vermarktet wird, ein ernster Mitwettbewerber für die etablierten Anbieter entstehen kann. Die Teekampagne beschränkte sich auf Tee, der aus einem der 87 Teegärten im indischen Darjeeling stammt. Nach 32 Jahren wurde 1987 dann doch ein zweites Produkt mit aufgenommen: Tee aus Assam.  Von dem optimierten Geschäftsmodell profitiert zuallerst der Kunde, der einen qualitativ hochwertigen Tee zu einem günstigen Preis bekommt. Die Tee-Kampagne hat aber von vornherein Nachhaltigkeitsaspekte eingebracht und ihr Engagement für eine faire Wertschöpfungskette sukzessive ausgebaut. So kommt ein Teil der über die Abnahme großer Mengen erzielte Marge den Menschen vor Ort zu gute. Auch hat das Konzept dank des umtriebigen Professors, dessen Entrepreneurship-Konferenzen tausende von Menschen anzieht, immer wieder neue Sprösslinge gefunden. Es ist dieser Gründer-Spirit, der uns bewogen hat, die Teekampagne auch heute noch als Startup zu betrachten. Zu den Offspins zählt bspw. das Startup Ratio Drink, das Apfelsaft als Konzentrat online verkauft. Denn das Mischen mit Wasser kann effizienter und ökologischer zuhause erfolgen als am Ort der Herstellung, so die Überlegung – vorausgesetzt, der Kunde sucht die gegenüber Direktsäften kostengünstigere Alternative.

Conflictfood
Conflictfood ist ebenfalls ein Startup, das bis auf ganz wenige Ausnahmen wie den GoodBuy Store in Berlin ihre Produkte ebenfalls weitgehend online vertreibt. Hiermit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten mit der Teekampagne. Das von Salem-el-Mogaddedi und Gernot Würtenberger 2015 gegründete Startup geht bewusst in Nischen. Es bezieht Produkt von Kooperativen in Krisen- und Kriegsgebieten, die aufgrund der aktuellen Lage keine Absatzmärkte mehr haben. So schafft Conflictfood Einkommen für Menschen in Not, schafft etwas Normalität und fördert den Friedensprozess. Dies gilt auch für die aus Myanmar importierten Tees, die insbesondere der unterdrückten Bevölkerungsgruppe der Rohingya Einkommen verschafft. Conflictfood ist ein Sozialunternehmen durch und durch. Die Produkte werden in Berlin in Werkstätten für Menschen mit Behinderung liebevoll verpackt. Jeder Packung wird eine Zeitung beigelegt, die über den Konflikt sowie über die Geschichte, Lebensfreude und  Esskultur der jeweiligen Herkunftsregion informiert.

2x Exotische Getränke, die „Health + Impact“ kombinieren

Urmatt
Der Firmenname erinnert an die Schweiz, eine Mischung aus dem Kanton Uri und Zermatt. Es handelt sich jedoch um eines der außergewöhnlichsten Unternehmen Thailands. Das von Arvind Narula in den 90er Jahren gegründete ökologische Agrarunternehmen Urmatt ist mittlerweile der größte Produzent von biozertifiziertem Reis der Welt. Und das mit einer auf dörflicher Wertschöpfung beruhenden Unternehmenskultur.

Baowow
Die Baobab-Frucht wird vermutlich nie aus Plantagen bezogen werden. Denn der Baum trägt die ersten Früchte erst nach 30 Jahren. Eine besondere Art des Slow Food. Das aus der Frucht gewonnene Pulver ist enorm gesund und wird – mit Wasser angereichert – lokal gern als leckeres Erfrischungsgetränk genommen. Das von Klaas Koolmann aus Berlin gegründete Startup BerlinOrganics bringt das Baobab-Getränk zu uns nach Europa. Als Baowow-Pulver, das Zuhause mit Wasser angerührt wird und so den ökologischen Fußabdruck klein hält. Der eigentlich Impact ist jedoch die Inwertsetzung der weiten mit Baobabbäumen besetzten Landstriche in Zimbabwe. Denn immer mehr Gemeinden erzielen ein Einkommen durch die Sammlung und den Verkauf des Baobabpulvers. Organisationen wie die Baobab-Alliance achten dabei, dass die Vorteile des Handels fair verteilt sind.

Die hier vorgestellten Getränke gibt es fast alle in Bio- oder Supermärkten oder können online bezogen werden. Einige wenige wie Muntermate oder Frohlunder gibt es aktuell nur in ausgewählten Kneipen oder Cafés. Das Maprao Kokuswasser nur vor Ort in Thailand. Bei der Auswahl haben wir uns nach unseren GOOD Impact-Kriterien leiten lassen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Authentizität der Teams, die hinter den Getränke Startups stehen.

Zwei der allerwichtigsten Getränk haben wir ausgelassen: Leitungswasser wie auch Kaffee. Ihnen möchten wir eigene Magazin-Artikel widmen.

Mit unserer Suchmaschine, die Geld generiert, wollen wir jungen, innovativen Startups, die die Welt positiv verändern, auf die Beine helfen. Zwei der oben aufgeführten Unternehmen haben wir in einer frühen Phase unterstützt, indem wir uns jeweils bei ihrer Startnext Crowdfunding Kampagne beteiligt haben. Schaut mal rein: