Diese Organisationen kämpfen gegen Rassendiskriminierung und für gleiche Rechte

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Der Tod von George Floyd und die Black-Lives-Matter-Bewegung haben die Debatte über Menschenrechte und ethnische Diskriminierung angekurbelt. Wir stellen Organisationen vor, die in diesem Themenfeld Erstaunliches bewirken.

Social Entrepreneurship-Ansätze für Menschenrechte und ethnische Gleichstellung

Wie kann die Energie der Black-Lives-Matter-Bewegung genutzt werden, um Lösungen voranzubringen. Wir haben uns im Social Entrepreneurship-Umfeld umgeschaut und eine Reihe von Initiativen ausgemacht, die jede für sich ein Baustein für eine Lösung sein kann. Die Ansätze sind dabei erstaunlich bunt gefächert:

  • Video-Dokumentation: Aktivist*innen dabei helfen, Situationen, in denen Ungerechtigkeiten auftreten, korrekt zu dokumentieren
  • Grassroot Rechtsbeistand: Unterdrückten Bevölkerungsgruppen bei der Durchsetzung ihrer Rechte vor Ort unterstützen
  • Mediation und Gewaltprävention: Menschen aus verfeindeten Lagern auf zusammenbringen, auch zwischenmenschlich
  • Strafgerichtsbarkeit: Kampf gegen Masseninhaftierung und Rassenungerechtigkeit auf institutioneller Ebene
  • Menschenrechte in den Medien: Bewusstsein für Menschenrechtsfragen über gezielte Medienarbeit schärfen
  • Daten und Digitalisierung: Einsatz von Technologie zur Förderung von sozialem Wandel und Gerechtigkeit

Die Organisationen sind teils weltweit aktiv, spielen jeweils aber auch eine Rolle in den USA.

Im unteren Abschnitt stellen wir die Arbeit mehrerer hochvermögender Stiftungen vor, die durch ein starkes Eintreten für Menschenrechte und finanzstarke Programme den Wandel vorantreiben.

 

WITNESS: Sehen, filmen, verändern

Ohne Videobeweise würde die aktuelle Debatte über strukturellen Rassismus nicht stattfinden. Heute hat die Mehrheit der Weltbevölkerung eine Kamera in der Tasche. Überall nutzen die Menschen Videos, um Missbrauchsgeschichten zu dokumentieren und zu erzählen. Doch allzu oft filmen sie nicht sicher und effektiv, und ihre Videos können nicht verwertet werden. WITNESS hilft Aktivisten, die Situation – sowie ihre eigene Gefahrensituation – korrekt einzuschätzen, vermittelt die Grundlagen einer sicheren und ethisch-korrekten Videoproduktion sowie relevante Lobbying-Strategien. Die Organisation verfügt über Teams in Brasilien, Malaysia, Mexiko, den Niederlanden, Senegal, der Türkei und den Vereinigten Staaten. Die Organisation arbeitet mit Aktivisten an der Basis, Journalisten, Anwälten, NGOs und Medienmachern zusammen.

 

Namati – Rechtsbeistand an der Basis

Nahezu jede Nation der Welt hat sich zu den grundlegenden Menschenrechten ihrer Bürger bekannt. In Wirklichkeit halten die Regierungen dieses Versprechen vielfach nicht ein. Milliarden von Menschen leben in verarmten Gemeinschaften, außerhalb des Schutzes des Gesetzes. Sie können von ihrem Land vertrieben, von Amtsträgern erpresst oder durch Gewalt eingeschüchtert werden. Viele Gruppen haben keinen oder nur erschwerten Zugang zu lebenswichtigen Produkten und Dienstleistungen. Anstatt das Gesetz aufrechtzuerhalten und auszuführen, sind Regierungen oft durch Ineffizienz oder auch durch eine chronische Unterfinanzierung blockiert.

«Das Recht soll eines unserer mächtigsten Instrumente zur Förderung der Gerechtigkeit sein. Aber für Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt wird das Gesetz gebrochen. Das Recht ist entrückt – oder schlimmer noch, eine Bedrohung.» Vivek Maru, Gründer Namati

Namati engagiert sich für eine Welt, in der die Bürger die gesetzlichen Rechte verstehen und wissen, wie sie gegen Missbräuche vorgehen können, während die Regierungen die Gesetze und ihre Verwaltung verbessern und ihren Verpflichtungen gegenüber den Bürgern wirksamer nachkommen. Die Organisation schult und entsendet Grassroot Rechtsbeistände, die vor Ort mit den Gemeinden zusammenarbeiten, um Grundrechte wie die Anerkennung der Staatsbürgerschaft, Landbesitz und den Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung zu sichern. Auf der Grundlage von Daten aus Tausenden von Fällen setzt sich Namati für die Verbesserung von Politiken und Systemen ein, die Millionen von Menschen betreffen. Namati arbeitet aktuell in Indien, Kenia, Mosambik, Myanmar, Sierra Leone und den USA.

 

Search for Common Ground: Reden um zu deeskalieren!

Die Aufgabe von Search for Common Ground ist sehr einfach: Gewaltsame Konflikte beenden! Während Konflikte und Differenzen unvermeidlich sind, ist Gewalt nicht unvermeidlich. Die Organisation, die bereits 1982 gegründet wurde, bringt Menschen über Trennungslinien hinweg zusammen, um gemeinsame Ziele zu entdecken und zu erreichen. Die Organisation arbeitet mit allen Seiten eines Konflikts zusammen, einschließlich derjenigen, die traditionell an der Macht sind, und diejenigen, die keine Plattform haben, oft Frauen und Jugendliche. Search for Common Ground hat über Jahrzehnte erfolgreich Instrumente und Methoden entwickelt, die dazu beitragen, die Mauern niederzureißen, die Menschen aus Konfliktparteien am Dialog und möglicherweise an der Zusammenarbeit hindern. Viele der Initiativen finden an der Basis statt und schaffen einen sicheren Raum, um Menschen auf persönlicher Ebene zusammenzubringen.

 

Equal Justice Initiative (EJI) – Vorantreiben der Strafrechtsreform

Die Fakten sind schockierend. In den USA leben 5% der Weltbevölkerung, aber fast 25% der inhaftierten Bevölkerung. Die Zahl der inhaftierten Menschen stieg von 200.000 im Jahr 1972 auf heute 2,2 Millionen. Die Masseninhaftierung wirkt sich unverhältnismäßig stark auf die Armen und Farbigen aus und macht das Land nicht sicherer.

«Das große Übel der amerikanischen Sklaverei war nicht die unfreiwillige Knechtschaft; es war die Fiktion, dass Schwarze nicht so gut wie Weiße sind, dass sie den Weißen nicht ebenbürtig sind und weniger entwickelt, weniger menschlich, weniger fähig, weniger würdig und weniger verdienstvoll als Weiße sind.» Bryan Stevenson, Gründer von EJI

EJI wurde von dem Anwalt für öffentliches Interesse, Bryan Stevenson, in Alabama, USA, gegründet. Die Organisation kämpft gegen exzessive Strafen vor Gericht, die Inhaftierung von Kindern in Gefängnissen für Erwachsene, setzt sich für Bewährung ein und unterstützt die Wiedereinreise durch spezielle Programme. Ihr übergeordnetes Ziel ist es, eine systemische Reform voranzutreiben, die durch Forschung, Bildung und Erzählarbeit unterstützt wird.

 

Thomson Reuters Foundation – Förderung der Menschenrechte durch die Medien

Die Wohltätigkeitsorganisation nutzt ihre Medienmacht, um das Bewusstsein für Menschenrechtsfragen in der ganzen Welt zu schärfen und versucht, die sektorübergreifende Zusammenarbeit voranzutreiben, um auf drängende Herausforderungen zu reagieren. Der Nachrichtendienst der Stiftung wirft ein Licht auf die größten globalen Herausforderungen, die die Menschenrechte betreffen: Frauenrechte, LGBT+-Themen, die menschlichen Auswirkungen des Klimawandels, moderne Sklaverei und der Zugang zu Land- und Eigentumsrechten.

Darüber hinaus bietet die Stiftung über ihren TrustLaw-Dienst internationalen Grassroots-Bewegungen für Menschenrechte rechtliche Unterstützung und erleichtert die juristische Forschung, um der Zivilgesellschaft die Instrumente an die Hand zu geben, die sie benötigt, um Koalitionen mit Regierungen und dem Privatsektor aufzubauen und Gesetze und Politiken zu ändern, die die Menschenrechte weiter schützen.

 

Benetech und CTCL – Verwendung von Daten zur Befähigung von Menschenrechtsaktivisten

Die in Silicon Valley ansässige gemeinnützige Benetech ist sogar noch datengesteuerter und arbeitet mit einem breiteren Spektrum von Herausforderungen, wie z.B. der Verbesserung des Schulsystems oder – relevant für unser Thema – der Befähigung von Menschenrechtsaktivisten, Vorfälle effektiv und sicher durch künstliche Intelligenz zu dokumentieren.

«Wir sind Technologen mit einem großen Herzen. Mit tiefem Technologie-Know-how und Leidenschaft für soziale Gerechtigkeit dienen wir als Brücke zwischen Software aus dem Silicon Valley und dem sozialen Sektor», so die Selbstbeschreibung von Benetech.

CTCL steht für Center for Tech and Civic Life. Die Organisation besteht aus einem Team von Datenexperten sowie Technokraten, Ausbildern, Forschern und Wahlverwaltungsexperten. Die Mission der Organisation besteht darin, den Amerikanern die Informationen zu vermitteln, die sie benötigen, um sich bürgerschaftlich zu engagieren und zu bleiben, damit sie bei Wahlen die richtigen Wahlentscheidungen treffen können. Ein Hauptschwerpunkt ist die Verbesserung des Wahlsystems in den USA, um es professioneller, integrativer und sicherer zu machen.

Die Rolle der Philanthropen zur Förderung der Menschenrechte

Wer hätte gedacht, dass gleich sechs der sieben oben vorgestellten Organisationen Preisträger der Skoll-Stiftung sind. Die Stiftung prämiert jedes Jahr herausragende Sozialunternehmer, die gesellschaftlichen Wandel im großen Stil vorantreiben. Zudem richtet sie das jährliche Skoll Forum in Oxford aus als eines der größten und renommiertesten Treffen der Social Entrepreneurship und Impact-Community.

«Sechs der sieben skizzierten Organisationen oben sind Preisträger der Skoll Foundation»

Es gibt zahlreiche Philanthropen wie Jeff Skoll, den Mitbegründer von ebay, die sich mutig gegen Rassendiskriminierung und für gleiche Rechte für alle einsetzen. Meistens durch die Gründung einer Stiftung, die ihre Gelder oder Programme dazu nutzt, sich in diesem Bereich zu engagieren und eine Debatte anzuregen, auch wenn sie kontrovers ist oder sich der offiziellen Regierungspolitik des Heimatlandes widersetzt.

Abschließend möchten wir auf zwei alte, hochvermögende US-Stiftungen eingehen. Die wenigsten Menschen werden an solche Stiftungen denken, wenn es um die Aktivismus für Menschenrechte geht. Sie nutzen jedoch ihre Macht, um Rassendiskriminierung zu bekämpfen und die Menschenrechte voranzubringen:

Ford Foundation – Ungleichheit auf allen Ebenen herausfordern

Es ist nicht allzu bekannt, dass die Ford Foundation sich eine sehr mutige Aufgabe zum Ziel gesetzt hat: die Bekämpfung von Ungleichheiten auf allen Ebenen. Sie engagiert sich insbesondere für Gender-Themen und gegen ethnische Diskriminierung. Auf internationaler Ebene finanziert die Stiftung feministische und Frauenrechtsorganisationen im globalen Süden, darunter auch solche, die sich mit den Bedürfnissen spezifisch gefährdeter Gruppen befassen, wie etwa farbigen Frauen, indigenen Frauen und Mädchen, Transwomen und behinderten Frauen und Mädchen. In den USA konzentriert sich die Ford Foundation insbesondere auf Themen wie die Verringerung von Masseninhaftierungen, die Anfechtung des Angriffs auf die Grundrechte von Frauen und die Dämonisierung von Immigranten. Die Stiftung arbeitet daran, Machtmissbrauch zu bekämpfen und die Rolle der Regierung beim Schutz der Sicherheit und Würde aller Menschen neu zu überdenken. Dabei möchte die Stiftung, soweit möglich, die Regierung als Partner in diesen Prozess einbinden.

«Wir glauben, dass soziale Bewegungen auf individueller Führung, starken Institutionen und innovativen, oft risikoreichen Ideen aufbauen. Zwar haben sich die Besonderheiten dessen, woran wir arbeiten, im Laufe der Jahre weiterentwickelt, doch sind Investitionen in diesen drei Bereichen die Prüfsteine für alles, was wir tun, geblieben und stehen im Mittelpunkt unserer Theorie darüber, wie Veränderungen in der Welt geschehen.» Missions-Statement der Ford Foundation

Als große Organisation engagiert sich die Ford Foundation auch gegen Ungleichheiten in verschiedenen anderen Bereichen, wie z.B. die voreingenommene Berichterstattung in den Medien, die Fairness, Toleranz und Integration untergräbt, oder ungerechte Regeln der Wirtschaft.

 

Rockefeller Foundation – Gewalt gegen Afroamerikaner zu beenden, reicht nicht aus

Die Rockefeller Foundation verfolgt einen anderen Ansatz als Ford. Obwohl sich der Gründer John Rockefeller bereits vor hundert Jahren für die Förderung der Rassengleichheit engagierte, indem er schwarze Colleges finanzierte – was damals sicherlich sehr ungewöhnlich war –, steht die Stiftung heute nicht direkt an der Spitze der Bewegung Black Lives Matter. Die Stiftung ist weniger politisch als die Ford Foundation und engagiert sich möglicherweise weniger in kontroversen Menschenrechtsthemen. Dennoch spielt die Stiftung eine wichtige Rolle bei der Förderung der Rassengerechtigkeit, indem sie für gleiche wirtschaftliche Chancen für Afroamerikaner und andere benachteiligte Gruppen kämpft.

«Seit mehr als 100 Jahren setzt sich die Rockefeller Foundation für die Förderung der Rassengleichheit in Amerika ein, weil sie im Mittelpunkt unserer Werte steht. Wir sind stolz darauf, seit Jahrzehnten für Rassengleichheit einzutreten und dafür zu kämpfen, und wir sind stolz auf unsere Teammitglieder, Stipendiaten und Partner, die heute an vorderster Front stehen.» Rajiv Shah, Präsident der Rockefeller-Stiftung

In einem persönlichen Brief an die Freunde und Mitarbeiter der Stiftung am 6. Juni gab Rajiv Shah eine mutige Erklärung ab, warum es nicht ausreicht, Gewalt gegen diskriminierte Bevölkerungsgruppen zu bekämpfen. Warum wir noch einen Schritt weiter gehen müssen:

Rajiv Shah argumentiert:

  • Es würde nicht ausreichen, die Gewalt gegen Afroamerikaner zu beenden, wenn es immer noch als „normal“ angesehen wird, dass die Arbeitslosigkeit unter afroamerikanischen Arbeitnehmern durchweg höher und manchmal doppelt so hoch ist wie die der weißen Arbeitnehmer; wenn selbst vor dieser Pandemie der mittlere weiße Arbeitnehmer 28% mehr pro Woche verdiente als der mittlere afroamerikanische Arbeitnehmer und 36% mehr als der mittlere hispanische Arbeitnehmer; wenn die Vermögensungleichheit zwischen weißen Familien und afroamerikanischen Familien in den letzten 40 Jahren um 67% zugenommen hat.
  • Es würde nicht ausreichen, der Gewalt gegen Afroamerikaner ein Ende zu setzen, während afroamerikanische Jungen und Mädchen in einkommensschwachen Gemeinden, in denen die Raten von Diabetes und Fettleibigkeit vier- bis fünfmal höher – und die Lebenserwartung mehr als 15 Jahre niedriger – sein können als in wohlhabenderen Vierteln in derselben Stadt, immer noch auf ihre Schulen angewiesen sind, um jeden Tag zu Mittag essen zu können.
  • Es würde nicht ausreichen, der Gewalt gegen Afroamerikaner ein Ende zu setzen, wenn afroamerikanische Gemeinden durchweg die letzten Orte waren, die Zugang zu Covid-19-Testkits erhielten, obwohl sie aufgrund von bereits bestehenden gesundheitlichen Ungleichheiten, Unterversicherung und anderen Schwachstellen ein unverhältnismäßig höheres Risiko für diese zerstörerische Pandemie haben. Es würde nicht ausreichen, wenn farbige Gemeinschaften fast immer weniger Zugang zu qualitativ hochwertigen Krankenhäusern und medizinischer Versorgung haben oder wenn die Wahrscheinlichkeit, dass eine werdende afroamerikanische Mutter bei der Geburt oder deswegen stirbt, dreimal höher ist.

Dies sind drei Bereiche, in denen sich die Rockefeller Foundation besonders stark engagiert.

Es gibt noch viele andere Organisationen, die sich engagieren. Mit diesem Artikel wollen wir das Licht auf einige von ihnen lenken, die einen sozialunternehmerischen Ansatz verfolgen oder die einfach nur aufgrund ihrer Beschlagnahme und ihres Reichtums mächtig sind.